Würzburger Trainingsprogramm

Hören, lauschen, lernen - Sprachspiele für Kinder im Vorschulalter von

Petra Küspert und Wolgang Schneider

Ziel der Arbeit mit dem WüT ist die Förderung der sogenannten "phonologischen Bewusstheit". Einschlägige Untersuchungen haben diese Kompetenz als entscheidendes Kriterium für den erfolgreichen Schriftsprachenerwerb in der Grundschule dargestellt. Durch gezielte Förderung dieser Fähigkeit im letzten Kindergartenhalbjahr wird ein wichtiger Beitrag zur Prävention von Lese-Rechtschreib-Schwäche geleistet.

Das WüT umfasst 57 Sprachspiele aus sechs aufeinander aufbauenden Bereichen. Über einen Zeitraum von 20 Wochen führt die Erzieherin täglich Sitzungen von ca. 10 Minuten durch.

Phonologische Bewusstheit

Unter phonologischer Bewusstheit versteht man die Fähigkeit, die Lautstruktur gesprochener Sprache zu erkennen, also z.B. Reime, Silben oder auch Einzellaute in Äußerungen herauszuhören und zu unterscheiden. Erfolgreiches Lesen- und Schreibenlernen hängt letztlich davon ab, das alphabetische Prinzip der Schriftsprache, d.h. die Zuordnung von Buchstaben zu Lauten (beim Rechtschreiben) bzw. von Lauten zu Buchstaben (beim Lesen) zu begreifen. Innerhalb der kindlichen Sprachentwicklung bedeutet dies eine entscheidende Stufe: Erstmals wird die Aufmerksamkeit nicht auf die Bedeutung einer Äußerung gelenkt, sondern auf formale Merkmale.

Phoneme

Grob lassen sich Phoneme in Vokale (Selbstlaute) und Konsonanten (Mitlaute) einteilen. Die Aussprache der Vokale ist durch die Art der Lippenrundung und die Zungenlage bestimmt. Bei Konsonanten wird nach Artikulationsmodus, Artikulationsstelle und artikulierendem Organ unterscheiden.

Die sechs aufeinander aufbauenden Bereiche des WüT

Das Programm beginnt mit den Lauschspielen, die das Gehör für differenzierte Geräusche schulen sollen.

In der zweiten Trainingswoche folgen die Reime, zunächst nur von der Erzieherin, später dann auch von den Kindern.

Ab der 3. Woche geht es um Wörter und Sätze: Mit Hilfe von Bauklötzen werden Sätze in Wörter zerlegt bzw. einzelne Wörter zu zusammengesetzten Wörtern oder zu Sätzen verbunden.

In der 6. Woche beginnt die vierte Einheit, die sich mit Silben befasst. Durch rhythmisches Sprechen und Klatschen erfahren die Kinder Silben.

Mit den Anlauten befasst sich die fünfte Einheit. es geht darum, jeweils den ersten oder letzten Laut eines Wortes zu identifizieren.

In den letzten Wochen schließlich wird mit den einzelnen Phonemen gearbeitet.

 

 

Das WüT als EIN Mosaikstein der Sprachförderung im Elementarbereich

Allen Beteiligten muss klar sein, dass mit der Durchführung des WüT das Thema Sprachförderung nicht ersetzt oder abgehakt ist. Auf keinen Fall kann das WüT eine ganzheitliche Sprachförderung "von Anfang an", bei der vor allem auch die Muttersprache der Kinder mit Deutsch als Zweitsprache wertgeschätzt wird, ersetzen. Das WüT richtet sich ausschließlich an Kinder kurz vor dem Schuleintritt.